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Schwarz Cranz – Von der Landschlachterei zum erfolgreichen Mittelständler

Das Familienunternehmen Schwarz Cranz hat sich Wurst- und Schinkenspezialitäten ganz nach alter Tradition verschrieben – auch mehr als 160 Jahre nach der Firmengründung legt man großen Wert auf traditionelle Rezepturen. Der Mittelständler aus Neu Wulmstorf hat dennoch den Wandel zu einem modernen Lebensmittebetrieb bewältigt und kann so mittlerweile mehr als 500 Angestellten einen festen Arbeitsplatz bieten. Den Umbau nahm übrigens eine Frau in die Hände – ungewöhnlich in einer männerdominierten Branche wie der Wurst- und Fleischproduktion. Doch der Erfolg gab und gibt Kristin Schwarz, seit 2010 Leiterin des Unternehmens, recht.

Schwarz Cranz: Startschuss fällt Mitte des 19. Jahrhunderts

Es ist der Urururgroßvater von Kristin Schwarz, der 1852 in dem Örtchen Cranz bei Hamburg eine kleine Landschlachterei gründet. Aufwärts geht es mit dem Betrieb, als der Urgroßvater von Kristin Schwarz – Paul Wilhelm Schwarz – 1909 die bekannte Altländer Mettwurst aus der Taufe hebt und zudem das erste Kühlhaus errichtet. Sein Sohn Paul Wilhelm Otto nutzt die Boomjahre der Wirtschaftswunderzeit, um das Unternehmen auszubauen. 1954 werden neue Schlacht- und Verwaltungsräume errichtet, 1964 gibt man die Schlachtung ab und konzentriert sich fortan voll auf die Produktion von Fleischwaren.

Traditionelle Rezepturen machen den Unterschied

Dabei kommen bis heute überwiegend alte Rezepturen zum Einsatz, die Altländer Mettwurst etwa wird gemäß Originalrezept über Buchenholz geräuchert, den Landschinken salzt und räuchert man immer noch per Hand. Zusatzstoffe, Aromen und Geschmacksverstärker haben dagegen in den Spezialitäten aus dem Hause Schwarz Cranz nichts verloren. Die traditionelle Fertigung zahlt sich geschmacklich aus. Und wird gewürdigt: Schwarz Cranz bekommt jahrein, jahraus von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaf DLG Gold-, Silber- und Bronzemedaillen verliehen.

Schwarz Cranz erkennt die Zeichen der Zeit

Direkt von der Uni kommend tritt Kristin Schwarz 1999 ins Unternehmen ein und erkennt sehr schnell, dass sich etwas ändern muss. In der Branche herrschen ein brutaler Verdrängungswettbewerb und ein Konzentrationsprozess, dem viele kleinere Betriebe zum Opfer fallen. Schwarz Cranz ist damals trotz des stetigen Wachstums finanziell nicht stark genug aufgestellt, mittelfristig droht die Firma im Konzert der Großen nicht mehr mithalten zu können und in eine existenzbedrohende wirtschaftliche Schieflage zu geraten.

Schwarz Cranz: Ein wichtiger Arbeitgeber der Region

Der damalige Umsatz beträgt 40 Millionen Euro, 100 Millionen müssen es nach der Rechnung von Kristin Schwarz mindestens sein. „Mir war klar, dass wir nur durch Wachstum überleben konnten“, erinnert sie sich in der Tageszeitung „Die Welt“. Sie führt moderne IT-Systeme, eine lückenlose Qualitätskontrolle und ein straffes Controlling ein – ohne Abstriche bei der Qualität und den traditionellen Rezepturen zu machen. Außerdem investiert Kristin Schwarz in die Belegschaft und verdreifacht die Zahl der Mitarbeiter. Ihre Umsatzmarke erreicht sie nicht nur, sondern übertrifft sie: 2013 liegt der Umsatz bereits bei 130 Millionen Euro. „Damit“, so Kristin Schwarz ebenfalls in der „Welt“, „sind wir nicht klein und nicht groß, gehören aber zu den Top 20 der Branche.“ Schwarz Cranz beschäftigt aktuell 500 Mitarbeiter und ist ein wichtiger Arbeitsgeber der Region – und ein erfolgreiches niedersächsisches Familienunternehmen in bester mittelständischer Tradition.

Bild: Schwarz Cranz

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