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Aloys Wobben – Der öffentlichkeitsscheue Pionier der Windenergie

Das „Greenpeace Magazin“ hat ihn den „Daniel Düsentrieb des Windes“ getauft, für das „Handelsblatt“ ist er „Der schweigsame Pionier aus dem Norden“, Branchenkenner titulieren ihn als „Mr. Wind“, die Einwohner von Aurich, wo sein Unternehmen Enercon seinen Sitz hat, nennen ihn laut des Wirtschaftsmagazins „brand eins“ nur „Den Alten“: Die Rede ist von Aloys Wobben, genialer Elektroingenieur, Gründer des Windenergiekonzerns Enercon und reichster Niedersachse.

Frühes Interesse an Windenergie

Aloys Wobben wird 1952 in Rastdorf im Landkreis Emsland geboren und absolviert zunächst eine Ausbildung zum Elektromaschinenbauer, danach studiert er Elektrotechnik an der Fachhochschule Osnabrück und der Technischen Universität Braunschweig. Nach dem Studium arbeitet er als wissenschaftlicher Assistent an der TU Braunschweig und beschäftigt sich – die Ölkrise noch vor Augen – mit erneuerbaren Energien, insbesondere mit der sogenannten Wechselrichtertechnik. Leistungsfähige Windkraftanlagen gibt es damals nicht, die Technik zur Gewinnung von Windenergie steckt noch in den Kinderschuhen.

Selbst ist der Ingenieur

An seinem Wohnort im ostfriesischen Aurich bastelt Wobben Anfang der Achtziger in seiner Garage an Elektromotoren, im Garten seines Hauses baut er die ersten Windrad-Prototypen. 1984 gründet Wobben das Unternehmen Enercon – zu Anfang ein Ein-Mann-Betrieb mit Teilzeitsekretärin. 1986 konstruiert er für einen Möbelhändler seine erste Windkraftanlage mit einer Nennleistung von 55 Kilowatt. Weitere Aufträge folgen, doch die Windenergie steht seinerzeit noch nicht hoch im Kurs, die Industrie- und Handelskammern legen Windkraftanlagen Steine in den Weg.

Vorsprung durch Forschung

Mit dem Stromeinspeisungsgesetz werden die Karten auf dem Energiemarkt Ende 1990 neu gemischt. Betreiber von Windkraftanlagen erhalten eine garantierte Mindestvergütung für den eingespeisten Strom. Der Auslöser für den rasanten wirtschaftlichen Aufschwung von Enercon liegt darin begründet, dass Wobben den Fokus auf Forschung und Entwicklung legt. 1993 gehen bei Enercon getriebelose Windkraftanlagen in die Produktion – eine Weltneuheit und bis heute das Markenzeichen der Firma. Enercon steigt schnell zum global agierenden Erfolgsunternehmen auf. Das Credo von Aloys Wobben lautet: „Wenn wir nicht ständig daran arbeiten, unser Produkt zu verbessern, sind wir ganz schnell weg vom Fenster.“ Seit Ziel: 25 Prozent des deutschen Strombedarfs mit Windenergie abzudecken – und in seiner niedersächsischen Heimatregion 100 Prozent.

Tüftler mit Vorbildcharakter

Aloys Wobben hat schon Bundeskanzlerin Angela Merkl in Energiefragen beraten, doch er scheut öffentliche Auftritte, gibt kaum Interviews und agiert lieber hinter den Kulissen. Mit dafür verantwortlich ist auch, dass sein Unternehmen 1994 Opfer von Industriespionage wird – unter Mithilfe des US-Geheimdienst NSA, munkelt man. Seither gibt man sich bei Enercon noch zugeknöpfter, Schweigsamkeit ist für Wobben ein Schlüssel zum Erfolg.

Der „Daniel Düsentrieb des Windes“, dessen Vermögen von geschätzten 7,2 Milliarden Euro ihn zu einem der reichsten Deutschen macht, wird mit zahlreichen Auszeichnungen für seinen Erfindungsgeist, sein Engagement für erneuerbare Energien und seine Verdienste für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen geehrt. So erhält er 2000 den „Deutschen Umweltpreis“, 2006 die Ehrendoktorwürde der Universität Kassel und 2009 den „Niedersächsischen Staatspreis“. Der ehemalige Ministerpräsident Christian Wulff bezeichnet Wobben als „Leitfigur und Vorbild für die Jugend“.

Foto: By Christian Walther (Transferred by Kropotkine_113/Original uploaded by Christian.walther) [CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

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