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Werner Michael Bahlsen – Der selbstkritische König der Kekse

Konditor und Kaufmann – Werner Michael Bahlsen versteht sein Handwerk. Der Geschäftsführer des Backwarenherstellers Bahlsen absolviert an seinem Heimatort Göttingen zunächst eine Ausbildung zum Zuckerbäcker, studiert dann ab 1970 Betriebswirtschafts und Volkswirtschaftslehre in Zürich und Genf. Seit 1999 ist er alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer von Bahlsen – und ein Chef, der über die Gabe zur Selbstkritik verfügt, sich zudem dem Prinzip der Nachhaltigkeit und dem Wirtschaftsstandort Niedersachsen verpflichtet fühlt.

Der Weg zum Chefsessel

Werner Michael Bahlsen tritt bereits 1975 ins Familienunternehmen ein, arbeitet zunächst als Assistent der Geschäftsleitung in der Schweizer Dependance Bahlsen Internation Holding AG, die für die Auslandsgeschäfte des Keksherstellers zuständig ist. Ab 1977 ist er im Stammwerk in Hannover tätig, leitet zunächst den Bereich Kuchenfertigung und später auch die Produktentwicklung. 1985 wird Werner Michael Mitglied der Unternehmensleitung. In den frühen Neunzigern ereignet sich der Albtraum eines jeden Familienunternehmens: Es gibt massiven Streit in der Verwandtschaft über die künftige Ausrichtung des Konzerns. Die Folge davon ist die Aufspaltung der Firma. Werner Michaels Bruder Lorenz erhält den Zuschlag für die Salzwaren-Sparte, Werner Michael übernimmt das Süßwaren-Sortiment inklusive der weltberühmten Leibniz-Butterkekse.

Veränderungen im Kekskonzern

In der Folge macht sich Werner Michael daran, das Unternehmen Bahlsen kräftig umzukrempeln. Veränderung tut dringend Not. Die Strukturen sind verkrustet, zwischen der Entwicklung und dem Marktstart neuer Produkte vergeht viel zu viel Zeit. Hinzu kommt, dass Kekse für das Kaffeekränzchen nicht mehr up to date sind. Süßwaren werden mittlerweile anders verzehrt – vor allem unterwegs und in kleinen Portionen. Die Einführung von Pick Up! trägt diesem Umstand Rechnung, der Keksriegel avanciert zum Renner. 2002 beschließt Bahlsen eine neue Markenstrategie, das Unternehmen konzentriert sich künftig ganz auf die beiden Dachmarken Bahlsen und Leibniz.

Nachhaltigkeit als neues Unternehmensprinzip

Eine weitere Neuerung: Werner Michael Bahlsen führt das Prinzip der Nachhaltigkeit ein. Bei den Rohstoffen, vor allem bei Kakao und Palmöl, stellt der Konzern auf zertifizierte Produkte um – was gar nicht so einfach ist. Denn die Mengen, die Bahlsen benötig, sind größer als das Angebot an Rohstoffen mit Zertifikat. Auf Nachhaltigkeit wird auch in Bezug auf die eigene Belegschaft gesetzt. Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen. Schülern und Studenten aus der Region bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für Praktika und Tätigkeiten als Trainee. Im Privatleben bemüht sich Werner Michael Bahlsen ebenfalls um Nachhaltigkeit: Der passionierte Hobbyförster pflegt einen kleinen Wald in der Heide und pflanzt dort neue Bäume, sorgt so für die Erneuerung des Gehölzes.

Als Mitglied im Präsidium des Landesverbandes des Wirtschaftsrats Deutschland setzt sich Werner Michael Bahlsen seit Jahren für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen ein. Zusätzlich fördert er unter anderem den Knabenchor Hannover, bei dem er von 1993 bis 1998 den Vorsitz innehat.

Ein Chef bekennt sich zu Fehlern

Firmenbosse pflegen meist das Image des Machers, der keine Fehler begeht – nicht so Werner Michael Bahlsen. Er verfügt über die positive und sympathische Fähigkeit zur Selbstkritik und revidiert Entscheidungen, wenn sie sich als falsch erweisen. Bestes Beispiel: Der Chef beschließt, aus wirtschaftlichen Gründen aus der Produktion von Weihnachtsgebäck auszusteigen. Als die Kunden Sturm laufen und er erkennt, dass die Marke Bahlsen Schaden zu nehmen droht, macht er den Entschluss rückgängig. Der kluge Boss gibt nach.

Foto: Screenshot youtube.com

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